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Julia Bierenfeld

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Schlafstörungen und Fatigue bei Multipler Sklerose 

Zuletzt aktualisiert: 17.07.2025

Fatigue bei MS?

Schlaf und Erholung sind Grundpfeiler unserer Gesundheit und unseres Wohlbefindens. Für uns Menschen mit Multipler Sklerose haben sie eine noch größere Bedeutung, denn Schlafstörungen und Fatigue gehören zu den häufigsten und belastendsten MS Symptomen.

Inhaltsverzeichnis

Schätzungen zufolge leben etwa 50-80 % der Menschen mit MS mit Fatigue als ständigem Begleiter – Schlafstörungen sind dabei häufig ein sich anschließender Faktor. Doch welche Rolle spielt der Schlaf wirklich, und wie hängen diese beiden Symptome zusammen?

Fatigue bei MS – mehr als „nur“ Müdigkeit

Fatigue ist eines der am wenigsten greifbaren, aber am meisten beeinträchtigenden Symptome bei Multipler Sklerose. Sie geht über eine normale Müdigkeit hinaus und beschreibt eine extreme Erschöpfung, die selbst nach ausreichend Schlaf bestehen bleiben kann. Für viele MS-Betroffene ist sie eine der Hauptursachen für eingeschränkte Lebensqualität, berufliche Herausforderungen und soziale Isolation.

Die MS-bedingte Fatigue ist eine Kombination aus körperlicher, mentaler und emotionaler Erschöpfung ist, die sich nicht allein durch Ruhe und Schlaf lindern lässt. Der Zusammenhang mit Schlafstörungen spielt hier jedoch eine zentrale Rolle – Schlafprobleme können die Symptomatik verschärfen und Fatigue zusätzlich intensivieren.

Körperliche Fatigue bei MS: Wenn der Körper streikt

Die körperliche Fatigue ist eine spezifische Form der Erschöpfung, die sich primär auf den Körper auswirkt und durch ein Gefühl von Schwere, Schwäche und Antriebslosigkeit in den Gliedmaßen beeinträchtigt. Anders als bei der allgemeinen oder mentalen Fatigue, bei der oft Konzentrationsprobleme und kognitive Beeinträchtigungen im Vordergrund stehen, spüren Betroffene bei der körperlichen Fatigue vor allem eine massive physische Erschöpfung, die selbst bei leichten Tätigkeiten auftreten kann.

Typische Symptome der körperlichen Fatigue

  1. Schwere in den Gliedern: Die Arme und Beine fühlen sich an, als ob sie mit Gewichten beschwert wären. Selbst einfache Bewegungen, wie das Anheben eines Arms oder das Treppensteigen, werden als übermäßig anstrengend empfunden. Manchmal reicht die Kraft noch nicht einmal mehr zum Zähneputzen oder Haare kämmen.
  2. Schnelle Muskelermüdung: Die Muskeln ermüden bereits bei kleinsten Belastungen. Tätigkeiten wie Einkäufe tragen, Hausarbeit oder längeres Gehen können unverhältnismäßig erschöpfend sein.
  3. Körperliche Schwäche: Auch ein allgemeinen Schwächegefühl kann sich einstellen, das oft mit einem Verlust der körperlichen Belastbarkeit einhergeht. Dabei ist die Kraft zwar nicht vollständig verschwunden, aber das Gefühl, sie nutzen zu können, ist stark beeinträchtigt.
  4. Lähmungsähnliches Empfinden: Die körperliche Fatigue wird oft als Gefühl beschrieben, als ob der Körper „stillsteht“ oder die Energieversorgung plötzlich unterbrochen ist.

Schlafstörungen bei MS – Ursachen und Arten

Schlafstörungen sind bei MS nicht selten und umfassen ein breites Spektrum: Ein- und Durchschlafstörungen, frühes Erwachen und Schlafunterbrechungen. Sie können auf verschiedene Ursachen zurückgeführt werden, die oft miteinander verknüpft sind: 

  • Physische Beschwerden: Schmerzen, Muskelkrämpfe oder Spastiken, die sich insbesondere nachts bemerkbar machen, erschweren oft einen durchgehenden, erholsamen Schlaf. Ebenso können nächtliche Bewegungen aufgrund von neurologischen Beeinträchtigungen die Schlafqualität negativ beeinflussen.
  • Hormonelle Veränderungen: MS greift in das Nervensystem ein und kann hormonelle Ungleichgewichte auslösen, was wiederum den Schlaf-Wach-Rhythmus beeinträchtigen kann. Melatonin, das „Schlafhormon“, spielt hier eine wichtige Rolle, und ein Ungleichgewicht kann den Schlafzyklus stören.
  • Psychische Faktoren: Stress, Angstzustände und depressive Verstimmungen sind häufig und haben eine direkte Wirkung auf den Schlaf. Der ständige Druck, mit den körperlichen Einschränkungen zurechtzukommen und das Leben zu bewältigen, führt oft zu innerer Unruhe, die das Einschlafen erschwert und zu nächtlichem Gedankenkreisen führt.
  • Medikamentöse Nebenwirkungen: Auch die Kombination verschiedener Medikamente kann eine Ursache darstellen. Leider sind Schlafstörungen eine häufige Nebenwirkung bestimmter Medikamente, insbesondere solcher, die auf das Nervensystem wirken oder gegen Schmerzen und Spastiken eingesetzt werden.

In unserem Beitrag „Schlafstörungen bei MS: Strategien für eine bessere Nachtruhe“ findest du noch mehr Hilfreiche Tipps, um deinen Schlaf zu verbessern.

Ein Teufelskreis: Wie Schlaf und Fatigue zusammenhängen

Schlafstörungen und Fatigue verlaufen bei Multipler Sklerose besonders eng und oft in einer wechselseitigen Spirale: Schlafstörungen können Fatigue verstärken, und Fatigue selbst kann den Schlaf negativ beeinflussen. Dabei spielen sowohl biologische als auch psychologische Mechanismen eine Rolle, die den Zusammenhang komplex und individuell machen.

Schlaf als Basis für körperliche und mentale Erholung

Schlaf ist eine essenzielle Phase für die Regeneration von Körper und Geist. Während der Tiefschlafphasen erholt sich das Nervensystem, Zellschäden werden repariert, und das Gehirn „räumt auf“, indem es überflüssige Informationen verarbeitet und ablegt. 

Da bei MS das beeinträchtigt, sind diese regenerativen Prozesse besonders wichtig. Wenn der Schlaf gestört ist, bleibt die Erholung unvollständig – mit direkten Auswirkungen auf das Energielevel und die Fatigue.

Auswirkungen von Schlafstörungen auf Fatigue

  1. Unzureichende Erholung: Trotz ausreichend langer Schlafdauer kannst du nicht erholt aufwachen. Dies liegt daran, dass Schlafstörungen die Qualität der Tiefschlaf- und REM-Phasen beeinträchtigen. Ohne diese Erholungsphasen fühlt sich der Körper wie „ausgebrannt“ an, was die Fatigue verschärft.
  2. Verstärkte Entzündungsprozesse: Schlafmangel erhöht die Aktivität von Entzündungsmarkern im Körper. Schlechter Schlaf kann zu einer Zunahme der entzündlichen Prozesse führen, die wiederum Fatigue verstärken.
  3. Gestörte Hormonregulation: Schlafmangel wirkt sich direkt auf die Produktion und Regulation von Hormonen wie Cortisol (Stresshormon) und Melatonin (Schlafhormon) aus. Ein erhöhter Cortisolspiegel kann die Fatigue intensivieren und das Nervensystem zusätzlich belasten.
  4. Beeinträchtigung der Nervenkommunikation: Schlafprobleme können die Effizienz der neuronalen Signalübertragung verschlechtern. Bei MS wird diese Signalübertragung durch die Demyelinisierung gestört. Der Energieaufwand für alltägliche Aktivitäten wird dadurch noch größer, was die Fatigue weiter verstärkt.

Fatigue als Ursache von Schlafproblemen

Fatigue selbst kann ebenfalls zu einem gestörten Schlaf beitragen und sich durch extreme Erschöpfung auszeichnen, aber trotzdem das Einschlafen oder Durchschlafen erschweren:

  • Innere Unruhe und Überreizung: Trotz körperlicher Müdigkeit kann eine Überaktivität des Nervensystems auftreten. Dieses „aufgedrehte“ Gefühl kann dich daran hindern zur Ruhe zu kommen.
  • Unregelmäßige Aktivitätsmuster: Die Erschöpfung durch Fatigue kann dazu führen, dass tagsüber unregelmäßig geschlafen oder längere Ruhepausen eingelegt werden. Dies kann den Schlaf-Wach-Rhythmus stören und die nächtliche Schlafqualität beeinträchtigen.
  • Psychische Belastung: Fatigue kann Gefühle von Hilflosigkeit und Stress hervorrufen. Die Sorgen darüber, wie man den nächsten Tag bewältigen soll, verstärken die Schlafprobleme und führen zu einem Teufelskreis aus Erschöpfung und Schlafmangel.

Biologische Gemeinsamkeiten: Die Rolle des Gehirns

Studien legen nahe, dass Schlafstörungen und Fatigue gemeinsame neurobiologische Grundlagen haben. So werden z.B. Neurotransmitter, die den Schlaf regulieren, auch mit Erschöpfungszuständen in Verbindung gebracht. Auch hormonelle Mechanismen, insbesondere der Cortisolspiegel, spielen eine Rolle: Cortisol ist das sogenannte Stresshormon und steigt oft in Phasen von schlechter Schlafqualität.

Bei MS-Betroffenen kann dies zu einer weiteren Verschärfung der Symptome führen, da das Immunsystem und die Nervenübertragung dadurch zusätzlich belastet werden.

Dies erklärt, warum viele MS-Betroffene sowohl unter Schlafproblemen als auch unter Fatigue leiden – beide Symptome sind Ausdruck einer zugrunde liegenden Störung im zentralen Nervensystem.

Du willst diesen Teufelskreis durchbrechen? Hier kommen unsere Tipps!

Um die Beziehung zwischen Schlaf und Fatigue besser zu verstehen und gezielt zu beeinflussen, gibt es verschiedene Ansätze, die individuell angepasst werden können:

  1. Schlafhygiene verbessern: Ein strukturierter Schlaf-Wach-Rhythmus kann helfen, den Schlaf zu stabilisieren. Dazu gehört, möglichst regelmäßig zu denselben Zeiten ins Bett zu gehen und aufzustehen, auf den Konsum von Koffein und Alkohol vor dem Schlafen zu verzichten und eine entspannte Schlafumgebung zu schaffen.
  2. Fatigue gezielt angehen: Durch Pacing und Stressbewältigung lässt sich die Fatigue mindern, was wiederum positive Effekte auf den Schlaf haben kann.
  3. Entspannungsübungen und Achtsamkeitstechniken: Techniken wie autogenes Training, Meditation und progressive Muskelentspannung können helfen, die innere Unruhe zu reduzieren und den Einschlafprozess zu erleichtern. Sie sind besonders effektiv, wenn sie regelmäßig durchgeführt werden.
  4. Physiotherapie und Bewegung: Regelmäßige, sanfte Bewegung wirkt sich positiv auf das Schlafverhalten und die Fatigue aus. Hierbei ist allerdings wichtig, die Belastung an die individuellen Bedürfnisse anzupassen, um Erschöpfung zu vermeiden.
  5. Kognitive Verhaltenstherapie (KVT): Insbesondere bei chronischen Schlafstörungen kann KVT eine sehr wirksame Therapieoption sein. Die Methode hilft, negative Gedankenmuster zu durchbrechen und das eigene Schlafverhalten nachhaltig zu verbessern.

Was ist Pacing?

Pacing ist eine Strategie des Energiemanagements, die darauf abzielt, mit den begrenzten Energiereserven bei chronischen Erkrankungen wie Multipler Sklerose (MS) oder dem Chronischen Fatigue-Syndrom (CFS) bewusst umzugehen. Ziel ist es, Aktivitäten so zu planen und auszuführen, dass Überlastung vermieden wird und die vorhandene Energie über den Tag hinweg effizient genutzt wird.

Die enge Verbindung zwischen Schlaf und Fatigue zeigt, wie wichtig es ist, diese Symptome nicht isoliert zu betrachten, sondern ganzheitlich anzugehen. Wenn Schlaf und Erholung verbessert werden, kann dies zu einer signifikanten Entlastung der Fatigue führen – und umgekehrt.

Bock auf Weiterlesen? Unsere Empfehlung:

Quellen

  1. Deutsches Gesundheitsportal: MS und Depressionen, https://www.deutschesgesundheitsportal.de/2023/03/14/ms-und-depression/

  2. MS im Fokus: Fatigue (2012), https://www.msif.org/wp-content/uploads/2014/09/MS-in-focus-19-Fatigue-German.pdf

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Julia Bierenfeld

Als Bloggerin bei aMStart dabei. Zuvor hatte sie selbst einen MS-Blog, der ihr den Weg in die Selbstständigkeit ebnete. Mit hilfreichen Informationen und Tipps möchte sie jungen Menschen Mut machen, ihr Leben selbstbestimmt zu gestalten. aMStart hätte Julia sich sehnlichst bei ihrer eigenen MS-Diagnose gewünscht!

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