Wie lange dauert es vom Kinderwunsch bei MS bis zur Schwangerschaft?
Was sollte ich als Frau mit MS und Kinderwunsch beachten?
Wie verhält es sich, wenn der Mann Multiple Sklerose hat?
Welchen Herausforderungen und Vorurteilen könnte ich bei meinem Kinderwunsch bei MS begegnen?
Was muss ich in Bezug auf meine MS-Medikamente bei Kinderwunsch beachten?

Fragen über Fragen. Erst einmal gilt: Jede Geschichte und jeder Multiple-Sklerose-Verlauf sind anders! Gleiches gilt auch für den Kinderwunsch bei MS. Es gibt Menschen, bei denen es schnell und problemlos klappt, bei anderen dauert es länger und es gibt viele Stolpersteine.
In den nachfolgenden Erfahrungsberichten kannst du dir einen Einblick verschaffen, wie andere MS-Betroffene Familienplanung und Kinderwunsch bei MS erlebt haben, vor welchen Herausforderungen sie standen und welche Gedanken sie begleitet haben.
Franzi, 34 Jahre

Bei uns hat es tatsächlich sofort geklappt. 2 Monate nach Absetzen der Pille war ich schon schwanger. Mit einem so schnellen positiven Ergebnis haben wir überhaupt nicht gerechnet und haben uns natürlich sehr darüber gefreut, dass es so super geklappt hat!
Was absolut nicht selbstverständlich ist. Schon bevor ich das Thema Kinderwunsch bei MS angesprochen habe, habe ich den Satz „Na ob Sie überhaupt mal schwanger werden können, mit ihren ganzen Medikamenten und Therapien…“ sehr oft von Ärzt:innen in meiner bisherigen MS-Laufbahn gehört. Deshalb waren wir einfach nur überglücklich!
Mein Kinderwunsch ist kein gegen die MS kämpfen, sondern der Mut, trotz MS Mutter zu werden. Die Krankheit mag meinen Weg verändern – mit Höhen und Tiefen – aber sie kontrolliert nicht meine Wünsche und Träume.
Franzi, MS-Betroffene und Mutter
Hendrik, 39 Jahre

Es war immer klar, dass wir Kinder wollen. Wir waren zum ursprünglich geplanten Zeitpunkt beide mit dem Studium fertig, im neuen Job angekommen und eigentlich war alles ready – und dann kam 2018 die Diagnose Multiple Sklerose.
Daher waren wir erstmal unsicher, was das heißt und wozu das führt, und haben die Familienplanung irgendwie immer weiter aufgeschoben. Dann kam Corona. Wir haben zu viel von Geburten mit Masken gehört und wussten: Das wollen wir nicht. Also noch „Covid abgewartet“ und dann haben wir ernsthafter und konkreter über den Kinderwunsch trotz MS gesprochen. Und es hat gleich auf Anhieb geklappt. Unsere Tochter ist nun 1,5 und es ist toll.
Wir haben aufgrund von Corona und meiner MS das Thema Kinderwunsch tatsächlich mehrfach aufgeschoben. Als es dann soweit war, hat es aber direkt geklappt!
Hendrik, MS-Betroffener und Vater
Nun steht bei mir – obwohl schub- und in meiner Wahrnehmung auch symptomfrei – ein Medikamentenwechsel ins Haus. Wie auch bei bei meinem vorherigen Medikament beziehen sich alle Risiken und Nebenwirkungen im Beipackzettel auf Schwangerschaft und die weibliche Seite. Meine jetzige Wahl scheint aber kein Risiko darzustellen. Es standen aber auch andere Medikamente zur Wahl, bei denen man bis 6 Monate nach der Einnahme keine Kinder zeugen soll – was damit völlig ausgeschlossen ist solange das Thema Kinderwunsch nicht final abgeschlossen ist.

Schwanger sein, die Geburt, das Stillen und alles was mit dem Babythema zusammenhängt als Frau mit MS ist eine völlig andere Nummer, keine Frage. Und trotzdem ist es als Mann mit MS und Kinderwunsch nicht gerade einfach. Die Entscheidung pro Kinder ist sowieso die größte und für alle Neueltern eine große Umstellung. Wir haben keine Familie in der Nähe, sind daher mit dem Kind sehr auf uns gestellt. Alles immer mit dem Risiko, dass man mit einem MS-Schub jeden Tag ausfallen könnte. Aber: Es ist, wie es ist und man kriegt das als Familie immer irgendwie hin. Optimismus hilft. Immer. Und möglicherweise ist Kind 2 schon unterwegs…
Valerie, 33 Jahre

Die „eigentlich Weg“ zur Schwangerschaft war recht unkompliziert, da es bei uns im ersten Zyklus sofort geklappt hat. Das ist nicht selbstverständlich, dass wissen wir. Die Zeit davor, als der Kinderwunsch bei MS aufkam, habe ich jedoch teilweise als sehr stressig und emotionale Achterbahnfahrt empfunden.
Ich habe ein Medikament genommen, was man mindestens 2 Monate vor Empfängnisversuchen absetzen muss. Zusätzlich kann es einen Rebound-Effekt* geben.
* Bei manchen MS-Medikamenten kann ein sogenannter Rebound-Effekt auftreten. Nach dem plötzlichen Absetzen des Medikaments kann es zu einem erneuten Schub kommen, der stärker als vor der Therapie ausfallen kann, da die zurückgehaltenen Immunzellen (Lymphozyten) in großer Zahl ins Nervensystem strömen und eine starke Entzündungsreaktion auslösen.
Mitte 2024 habe ich das erste Mal mit meiner Neurologin darüber gesprochen, dass wir uns mit dem Thema Kinderwunsch bei MS auseinandersetzen. Es war nicht „Wir wollen sofort ein Baby“, es war eher in die Richtung „Was brauchen wir an Infos, wie ist der Ablauf …“
Das erste Gespräch war total nett und aufklärend wie emphatisch, sodass ich recht entspannt und positiv war. Ich habe dann Infomaterial mit nachhause bekommen und sollte alles mit meinem Partner besprechen.
Es gab eine Alternative zu „2 Monate ohne Medikament + Rebound“ und zwar gibt es ein Medikament aus der gleichen Gruppe, welches nur 1 Woche vor Beginn des Empfängnisversuches angesetzt muss.
Zum nächsten Routine Check hatten sich noch ein paar Fragen und die ein oder andere Unsicherheit ergeben. Es gab viele Tränen, viele Fragen und ich war verunsicherter als vorher und die Vorstellung ein Kind zu bekommen und meine Gesundheit dafür „zu riskieren“ war für mich eine Vorstellung, die ich nicht wollte. Die Ärztin die mich seit 12 Jahren begleitet, alle Fragen & Unsicherheiten in all der Zeit mitbekommen hat, war plötzlich reine Medizinerin und hat mir mit ihren Fakten Angst gemacht und ich habe Empathie und Mitgefühl bei dieser großen Entscheidung vermisst.
Zu Beginn 2025 haben wir uns mit meinem Mann zusammen nochmal mit der Neurologin gesprochen und alles in die Wege geleitet, sodass ich nach 4 Wochen mein Medikament wechseln konnte. Leider bin ich vom Rebound nicht verschont geblieben, und habe im März/April einen heftigen Schub bekommen.
Das neue Medikament habe ich gut vertragen und da wir uns keinerlei Stress mehr gemacht haben, was das Absetzen der Tabletten anging, konnten wir im Herbst 2025 ganz entspannt im Urlaub entscheiden, dass ich die Tabletten absetze und wir es dann versuchen. Ich habe nichts gespürt vom Absetzen des neuen Medikaments, das hat mich sehr glücklich gemacht. Und seit dem ich schwanger bin, geht es mir MS-technisch auch gut.
Die Neurologin ist ganz zuversichtlich, dass die Schwangerschaft entspannt bleibt. Ebenso, dass ich normal entbinden kann.
Nachdem ich mich mit Online-Seminaren, Infos aus Broschüren, etc. mehr verrückt gemacht habe und super unter Stress stand, habe ich irgendwann aufgehört, darüber nachzudenken. Der Medikamentenwechsel hatte stattgefunden. Beim Schub hatte ich viel Unterstützung, sodass ich das gut aushalten konnte. Danach ist eine „innere Ruhe“ entstanden und mein Mann und ich haben uns sehr offen über Ängste, Sorgen unterhalten. Das war gut.
Valerie, MS-Betroffene und werdende Mutter
Nadine, 35 Jahre
Gott sei Dank bin ich problemlos schwanger geworden. Zwar verliefen die Schwangerschaften nicht ohne Komplikationen, jedoch war es in Bezug auf die MS jeweils meine kräftigste Zeit.
Ich hatte mit übermäßiger Übelkeit und Erbrechen in meiner 1. Schwangerschaft bei MS zu kämpfen, sowie Hämatom an der Gebärmutter und Diagnosen auf die Kindesentwicklung in der 2. Schwangerschaft. Letztere haben sich aber glücklicherweise nicht bestätigt.
Neben der Schwangerschaft an sich, hat sich auch die Stillzeit absolut positiv auf meinen Multiple Sklerose ausgewirkt.

Wie du siehst, gibt es nicht den einen Weg vom Kinderwunsch bei MS zur Schwangerschaft. Jede*r aus der Community hat individuelle Erfahrungen gemacht. Aber wie du gelesen hast, sind alle (angehenden) Mütter und Väter glücklich über den Schritt, die Familienplanung trotz MS gewagt zu haben!
Du möchtest dich gerne mit jemandem zum Thema Kinderwunsch mit MS austauschen? Dann buch dir gerne ein kostenloses 1:1-Gespräch!