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Erfahrungsberichte aus der Community: Laufen mit MS

Einblicke von anderen MS-Betroffenen

Sport kann mit einer chronischen Erkrankung wie Multiple Sklerose sehr herausfordernd sein. Da spielen Symptome wie Kribbeln und Taubheit eine genauso große Rolle wie Fatigue und Verschlechterung bestehender Symptome durch das Uhthoff-Phänomen (Verschlechterung bei Hitze). Nichtsdestotrotz kann Sport auf MS eine positive Wirkung haben. Anlässlich unseres Charity-Laufs haben wir daher mal zwei MS-Betroffene aus der Community gefragt: Wie ist für dich das Laufen mit MS?

Vom „wieder gehen lernen“ zum Laufen mit MS: Shis Weg

Es ist schon komisch, wie das Leben manchmal spielt. Vor der Diagnose Multiple Sklerose war ich kein besonders sportlicher Mensch. Ich war gerne unterwegs, habe ein recht aktives Leben geführt. Auch ab und zu Sport gemacht, aber eher aus der Motivation heraus „das macht ja jeder, also musst du es auch tun“.

Dann kam 2016 meine unheilbare Diagnose. Eine chronische Krankheit. Multiple Sklerose. Es hat nicht direkt „Klick“ gemacht. Mich hat auch nicht sofort die Motivation gepackt, jetzt sofort alles ändern zu müssen. Doch die Erkenntnis, dass ich nun meinen Anteil für meine Gesundheit, für mein aktives Leben, selbst beitragen muss, die kam.
Also kaufte ich mir neue Laufschuhe und wollte lernen, zu joggen.

Hürden und Herausforderungen beim Laufen mit MS

Doch es kommt, wie es kommen muss. Zwei schlimme Schübe im Jahr 2020 in kurzen Abständen, im März einer auf mein linkes Bein, im Juni auf mein rechtes Bein. Statt joggen zu lernen, hieß es für mich erstmal: wieder gehen lernen. Und wisst ihr was? Ich habe noch nie in meinem Leben so hart gekämpft – und gesiegt.

Sobald ich sicherer im Gang war, habe ich meine neuen Laufschuhe, die ich noch nicht einmal ausgepackt hatte, angezogen und fing an zu laufen. Mit dem Ziel: Langsam, sicherer werden. Langsam, etwas weiter. Langsam, aber diesmal öfter. Dann vielleicht etwas schneller? Die Routine kam: ich wurde selbstsicherer, meine Motivation kam zurück – und meine Hoffnung. Dass ich das alles überwinden kann, dass ich stark werden kann, dass ich das auch selbst beeinflussen kann. Seitdem ist Laufen mit MS ein fester Bestandteil meines Lebens.

Bestzeiten sind zweitrangig

Und ehrlich gesagt: Es geht mir dabei nicht um Bestzeiten. Nicht um Kilometerrekorde. Es geht um etwas ganz anderes.

Es geht darum, mir selbst zu beweisen, dass ich meinem Körper vertrauen kann – auch wenn er mich manchmal im Stich lässt.

Es geht darum, ein Stück Kontrolle zurückzugewinnen in einer Situation, in der man sich oft ausgeliefert fühlt.

Es gibt Tage, da fühlt es sich leicht an, fast normal. Und dann gibt es Zeiten, da ist jeder Schritt schwer, Aber genau an diesen Momenten hat das Laufen mit MS für mich die größte Bedeutung. Dann gehe ich langsamer, kürzer, vorsichtiger – aber ich gehe. Denn ich werde alles dafür tun, dass diese Krankheit mir nicht mehr nimmt.

Ich habe gelernt, auf meinen Körper zu hören. Ihn nicht zu überfordern, aber auch nicht
aufzugeben. Diese Balance ist nicht immer einfach. Aber sie hat mir gezeigt, dass Stärke
nicht bedeutet, immer 100 Prozent zu geben, sondern überhaupt loszugehen. Und
vielleicht ist genau das mein größter Gewinn.

Shi, 34 Jahre, MS-Betroffene

Wie Niki durch das Laufen mit MS wieder Vertrauen in ihren Körper gefunden hat

10 Jahre ist die Diagnose jetzt schon her und was sich in dieser Zeit verändert hat ist teilweise selbst für mich noch schwer zu greifen.
Bis vor 7 Jahren konnte ich z. B. mit dem Thema „Laufen“ gar nichts anfangen.
Und trotzdem hab ich es dann einfach mal versucht und gewagt.
Nicht aus sportlichem Ehrgeiz, sondern ganz pragmatisch: als Ausgleich zu meinem neuen Büroalltag.
Früher war ich Schreinerin, viel in Bewegung – plötzlich saß ich den ganzen Tag und ich wusste, das kann ich vom Typ Mensch nicht und auch mit der MS war mir klar „nichts“ tun hilft auch hier nicht.

Einfach mal anfangen

Also hab ich mir Anfang des Jahres ein Ziel gesetzt im August 18km mit 1000hm zu laufen – und hab einfach mit dem Training begonnen.
Sehr langsam und ja es war erstmal richtig hart überhaupt eine gewisse Zeit am Stück durchlaufen zu können. Ein Meilenstein als das irgendwann mal von 500m zu 2 – 3km am Stück geworden sind.
Aber ich bin einfach immer weiter drangeblieben.
Mit der Zeit habe ich gemerkt, dass mir das Laufen nicht nur körperlich gut tut – sondern auch meiner MS.

Gerade das Trailrunning hat für mich dann einen sehr großen Unterschied gemacht. Es fordert nicht nur die Ausdauer, sondern auch Koordination, Konzentration, Kraft und Körperspannung.
Hier bin ich ständig im Kontakt mit dem Untergrund, muss reagieren, ausgleichen, mitdenken.

Und dann ist da noch die Natur. Draußen sein, frische Luft, Berge und Ruhe – einfach eine Wohltat für den Körper und den Kopf, gerade in unserer aktuell sehr lauten und reizüberfluteten Welt.

Auch ein Schub hält sie nicht auf!

Kurz vor meinem Ziel – ein Schub…. Gefühlsstörungen vom Bauchnabel bis in die Zehen – alles taub. Ein Dämpfer, aber ich hab mich nicht entmutigen lassen und bin mit den Symptomen und einer Dosis Cortison einfach weiter gelaufen. Viel Barfuß, da ich das Gefühl hatte so spür ich mehr, es reizt meine Nerven und regt einen Heilungsprozess an.

Bis zum Lauf war Gottseidank alles wieder weg und ich bin eine für mich unvorstellbar gute Zeit gelaufen, einfach weil ich nochmal ganz anders motiviert war. Und dann kam auch dieser Moment, in dem ich gemerkt habe: Ich kann viel mehr, als ich mir selbst zugetraut habe.

Und dieses Gefühl hat alles verändert.
4 Wochen später bin ich dann auch direkt meinen ersten Ultratrail gelaufen. Mit 52km und 2400hm. Wenn mir das jemand zwei Jahre vorher gesagt hätte, ich hätte ihn vermutlich ausgelacht.
Aber genau das ist für mich die größte Erkenntnis aus dieser Zeit:
Der Körper kann unglaublich viel lernen. Auch mit MS.

Wie das Laufen Niki Vertrauen zurückbrachte

Manchmal dauert es länger. Manchmal braucht es Geduld. Aber Entwicklung ist möglich.

Und noch etwas ist zurückgekommen: Vertrauen.
Vertrauen in meinen Körper.
Vertrauen darin, dass er sich anpassen kann.
Dass er stärker ist, als ich denke.

Heute ist Laufen für mich viel mehr als nur Sport. Es ist ein Ausgleich, ein Reset-Knopf, ein Stück Freiheit. Und vielleicht auch eine Erinnerung daran, dass eine Diagnose nicht das Ende bedeutet – sondern manchmal der Anfang von etwas ganz Neuem sein kann.

Seither versuche ich jedes Jahr einen Ultra zu laufen, klappt nicht immer, aber das Trailrunning ist fester Bestandteil meiner persönlichen Therapie und wird es immer bleiben.

Wenn du gerade am Anfang stehst oder zweifelst:
Du musst nicht direkt große Ziele haben.
Ein Schritt reicht.
Dann noch einer.
Und irgendwann blickst du zurück und denkst dir:
Krass, wie weit ich gekommen bin.

Niki, 30 Jahre, MS-Betroffene

Du findest unsere Gast-Autorinnen auch auf Instagram unter brain_sparkles (Shi) und niki.liebt.die.berge (Niki)!

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Melde dich jetzt für unseren Charity-Lauf in Frankfurt am 30. Mai an! Wir laufen mit und für die Multiple Sklerose. Sei auch du aMStart!