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Hannah Spindelmann

Hannah Spindelmann

Medizinische Gastautorin für aMStart

Kinderwunsch und MS: Planung gibt Sicherheit

Medizinisches Seminar

Zuletzt aktualisiert: 05.12.2025

Schwangerschaft mit MS

Häufig erhalten MS-Patientinnen ihre Diagnose zwischen 20 und 35 Jahren. Daher stehen viele Betroffene früher oder später vor der Frage: Kann ich trotz meiner Erkrankung schwanger werden und ein gesundes Kind bekommen?

Inhaltsverzeichnis

Univ.-Prof. Dr. med. Simon Faissner vom Universitätsklinikum der Ruhr-Universität Bochum betonte in unserem medizinischen Online-Seminar „Familienplanung, Schwangerschaft und Stillzeit bei MS“, dass Frauen mit MS kein erhöhtes Risiko für Schwangerschaftskomplikationen oder negative Schwangerschaftsausgänge haben. Eine Schwangerschaft bei MS ist also keine Risikoschwangerschaft – dennoch ist es sinnvoll, die Familienplanung gut mit der behandelnden Neurologin oder dem Neurologen abzustimmen.

Was sagen Studien?

Studiendaten zeigen, dass die Schubrate während einer Schwangerschaft zunächst häufig sinkt. Nach der Geburt steigt das Risiko für MS-Schübe in den ersten drei Monatenjedoch wieder an, bevor sich der Krankheitsverlauf wieder normalisiert.1,2 Deshalb ist es wichtig, schon im Vorfeld zu planen, mit welcher Therapie man in die Schwangerschaft geht und wie es danach weitergeht.

MS-Therapien und Schwangerschaft

Denn nicht jedes Medikament ist für die Schwangerschaft geeignet. Einige Wirkstoffe können bis zum positiven Schwangerschaftstest eingenommen werden, andere müssen deutlich früher abgesetzt oder gewechselt werden. Prof. Faissner erklärt die wichtigsten Unterschiede:

  • Interferone und Glatirameracetat können bis zum positiven Schwangerschaftstest weitergeführt werden.
  • Die Einnahme von Fumaraten ist ebenfalls bis zum positiven Test möglich.
  • Teriflunomid sollte vor einer geplanten Schwangerschaft abgesetzt werden, da es mit einem erhöhten Fehlbildungsrisiko assoziiert ist. Da der Wirkstoff auch nach dem Absetzen länger im Körper verbleibt, muss die Therapie rechtzeitig beendet werden und der Wirkstoff medikamentös eliminiert werden
  • Nach der Einnahme von Cladribin muss mindestens 6 Monate sicher verhütet werden. Während der Schwangerschaft bleibt die Krankheitsaktivität meist stabil, da Cladribin langfristig wirkt.
  • Natalizumab wird normalerweise im 4-Wochen-Rhythmus verabreicht. Es gibt mittlerweile gute Daten, dass die Gabe nach einer gewissen Zeit auf einen 6-Wochen-Rhythmus gestreckt werden kann. Während einer Schwangerschaft kann der Abstand zwischen den Einnahmen gestreckt werden, dann kann der Wirkstoff bis in die 30./34. Woche weitergegeben werden. Das kann vor allem eine wichtige Option darstellen, da ein abruptes Absetzen von Natalizumab die Gefahr eines Rebounds (starke Krankheitsaktivierung) birgt.
  • Anti-CD20-Antikörper (Ocrelizumab, Ofatumumab, Ubituximab) werden üblicherweise alle 6 Monate (Ocrelizumab, Ublituximab) bzw. monatlich (Ofatumumab) verabreicht. Ocrelizumab sollte formal ca. 4 Monate vor einer Schwangerschaft das letzte Mal gegeben werden, Ofatumumab kann bis zum Eintritt der Schwangerschaft gegeben werden. Während der Schwangerschaft besteht häufig eine Stabilität.
  • S1P-Modulatoren (Fingolimod, Ozanimod, Ponesimod, Siponimod) müssen vor einer geplanten Schwangerschaft rechtzeitig abgesetzt werden. Da hier ebenfalls ein Rebound-Risiko besteht, sollte ein Therapiewechsel vor einer Schwangerschaft in Betracht und mit der/m Neurolog:in geplant werden.

Dabei ist zu betonen, dass die Fachinformationen der Medikamente teils striktere Vorgaben machen, die Empfehlungen jedoch aufgrund der Erfahrungen aus Registerdaten laufend angepasst werden. Bei einem Schub während der Schwangerschaft kann Kortison eingesetzt werden – allerdings nur im 2. und 3. Trimester.

Wie geht es weiter?

Auch die Stillzeit sollte in die Therapieplanung einbezogen werden. Für einige Medikamente liegen mittlerweile Daten vor, die eine Fortführung während des Stillens erlauben könnten, andere müssen pausiert werden. Ob und wie lange gestillt werden soll, ist daher am besten gemeinsam mit dem Behandlungsteam zu besprechen.

Prof. Faissner macht mit seinem Vortrag Mut: Frauen mit MS können in aller Regel eine gesunde Schwangerschaft erleben. Entscheidend ist eine gute individuelle Planung: Welche Therapie wird vor und während der Schwangerschaft eingesetzt? Wie sieht die Anschlussbehandlung nach der Geburt aus? Und welche Rolle spielen Stillzeit und mögliche Kinderwunschbehandlungen? Mit einer engen Abstimmung zwischen Neurologie, Gynäkologie und der Patientin selbst lässt sich die Familienplanung bei MS heute sicher und erfolgreich gestalten.

Der Link zur Aufzeichnung folgt noch – stay tuned!

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Quellen

  1. Gavoille A et al. Therapeutic Management During Pregnancy and Relapse Risk in Women With Multiple Sclerosis. JAMA Neurol. 2025 Aug 4:e252550. doi: 10.1001/jamaneurol.2025.2550.,

  2. Confavreux C et al. Rate of pregnancy-related relapse in multiple sclerosis. Pregnancy in Multiple Sclerosis Group. N Engl J Med. 1998 Jul 30;339(5):285-91. doi: 10.1056/NEJM199807303390501,

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